OpenAI will den Super-Assistenten für alles schaffen
Warum ein smarter Assistent bald wichtiger ist als jede einzelne App
Die Entwicklung und Vision von OpenAI zeichnet sich immer klarer ab. ChatGPT, also der textbasierte KI-Assistent von OpenAI, soll künftig nicht mehr nur Code und Bilder generieren, Fragen beantworten oder Texte schreiben. Nein, er soll sich zu einem persönlichen, digitalen Assistenten entwickeln, der tief in unsere digitalen Alltagsabläufe eingreift. Die Rede ist davon, Kalender zu verwalten, Reisen zu planen, Termine zu buchen, ja sogar Software wie Excel, Notion oder Slack direkt zu steuern.
Wenn es nach OpenAI ginge, erledigen wir bald fast alles mit einem einzigen KI-System. Klingt nach Science-Fiction? Ja, aber eine ziemlich greifbare. Denn das, was da durchgesickert ist, beschreibt keine ferne Zukunft, sondern Entwicklungen, die teilweise jetzt schon im Gange sind. Und das betrifft nicht nur ChatGPT. Apple arbeitet mit Hochdruck an einem verbesserten Siri, Google treibt Bard und die Integration in Android voran, und auch Samsung mischt mit. Der Wettbewerb um den Platz des intelligentesten, hilfreichsten digitalen Assistenten hat längst begonnen.
Das hat nicht nur technische Auswirkungen, sondern verändert grundlegend, wie wir mit Technologie umgehen. Welche Rolle spielen eigentlich noch einzelne Apps, Webseiten und vielleicht sogar ganze Suchmaschinen, wenn ein einziger KI-Assistent alles für uns regelt? Genau darüber möchte ich heute mit euch sprechen.
Der Assistent übernimmt: Ein neuer digitaler Alltag
Stellt euch mal Folgendes vor: Ihr steht Montagmorgens auf, fragt euer Gerät: „Was steht heute an?“ und bekommt direkt alle Termine, To-Dos und Wichtigkeiten als Antwort. Kein Öffnen der Kalender-App, kein Nachschauen bei Notion, kein Slack-Geplänkel. Und wenn ihr dann noch schnell ein Hotel für nächste Woche in Lugano buchen möchtet, sagt ihr das einfach. Der Assistent sucht, vergleicht Preise, bucht und schickt euch eine Bestätigung.
Genau dieses Szenario scheint das Ziel von OpenAI und vielen Konkurrenten zu sein. Die Technik ist nicht perfekt, aber sie entwickelt sich rasant und das in einem Tempo, das man in der Tech-Welt selten sieht. Was neu hinzukommt: Die Integration in bestehende Infrastruktur. Immer öfter hören wir von sogenannten „Agenten“, die nicht nur Texte analysieren, sondern wirklich Dinge tun können. Dateien sortieren, Inhalte aus mehreren Quellen kombinieren, automatisch mit Software interagieren.
Das verändert alles. Es ist ein Paradigmenwechsel.
Was wir heute nutzen, könnte bald unnötig werden
Früher gab es für jedes Problem eine eigene App. Kalender? Google Calendar. Kommunikation? Teams, Slack, Zoom. Flug buchen? Booking, Expedia. Infos finden? Google. Diese Struktur ist logisch, aber auch fragmentiert. Du musst für jeden Schritt nachdenken, wohin du gehst, was du öffnest, wie du dich navigierst. KI-Assistenten versprechen genau das Gegenteil: Kontext verstehen, Aufgaben erkennen, und einfach machen. Ohne App-Wechsel. Ohne Klick-Zirkus.
Das verändert zwangsläufig unsere Beziehung zu Apps. Wenn der Assistent das beste Ergebnis per Sprachbefehl liefert, warum sollte ich dann noch die Webseite öffnen? Wenn ich einfach sagen kann: “Such mir die günstigsten Hotels in Zürich ab Donnerstag und buche das mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis”, warum sollte ich dann noch Booking oder Trivago durchforsten? Es wird weniger darum gehen, welche App ich benutze, sondern welche KI den besten Job macht. Damit geraten Apps in eine neue Rolle: Sie liefern Daten, Funktionalität und Schnittstellen – aber der Assistent wird zum eigentlichen Zugangsportal.
Suchmaschinen: Die einstigen Tore zum Internet verlieren an Bedeutung
Was für Apps gilt, trifft in noch stärkerem Masse auf Suchmaschinen zu. Suchen wir heute etwas, geben wir es in Google ein. In Zukunft könnten wir das gleich dem Assistenten sagen. Und der präsentiert uns nicht 10 Links, sondern direkt die Antwort. Vielleicht sogar mit Buchung, Ablauf und Kalenderintegration erledigt. Webseiten müssen sich dann weniger darum kümmern, gut auf Google zu ranken, sondern vielmehr darum, für Assistenten verständlich aufzubereiten zu sein. Das sogenannte „Machine-readable Web“ wird wichtiger denn je.
Die grossen Plattformen arbeiten hier bereits an Formaten, um Inhalte für KI leicht nutzbar zu machen. Das betrifft sowohl strukturierte Daten als auch APIs. Es wird entscheidend sein, ob Websites und Unternehmen mit dieser Entwicklung Schritt halten. Wer nicht für diesen neuen, assistentenbasierten Zugang optimiert ist, wird schlicht und einfach nicht mehr gefunden, auch nicht von Usern in der Schweiz.
Was bedeutet das alles für uns in der Schweiz?
Gerade hierzulande, wo Digitalisierung nicht immer im Turbomodus voranschreitet, ist diese Entwicklung doppelt spannend. Einerseits haben wir in der Schweiz einen hohen Anspruch an Datenschutz, Transparenz und Souveränität. Andererseits sind wir auf hochwertige digitale Lösungen angewiesen, um unsere Wirtschaft effizient zu halten. Wenn in Zürich ein Start-up künftig nicht mehr mit einer App durchstartet, sondern mit einem Plug-in für ChatGPT, dann verändert das auch unser digitales Ökosystem.
Anders gesagt: Die Schweiz braucht eine Strategie für diese neue Ära der intelligenten Schnittstellen. Unternehmen, die heute noch in klassische App-Konzepte investieren, sollten sich fragen, ob das noch der richtige Weg ist. Vielleicht ist es wichtiger, ansprechende Datenstrukturen, offene Schnittstellen und KI-freundliche Services zu bieten. Und auch im Bildungsbereich muss sich etwas tun. Wer heute im Gymnasium nur Office-Tools lernt, ist morgen verloren, wenn alle anderen längst über Sprache mit ihrem KI-Assistenten arbeiten.
Wie sich die User Experience verändert
Was mich persönlich fasziniert: Der neue digitale Assistent denkt mit. Er weiss nicht nur, welche Apps ich nutze, sondern erkennt Muster in meinem Alltag. Er erinnert mich nicht nur daran, dass ich einen Arzttermin habe, sondern schlägt vor, was danach am besten passt – basierend auf meinem bisherigen Verhalten, meinen Vorlieben und meiner Stimmung. Das fühlt sich fast menschlich an.
Apps hingegen sind oft statisch. Sie erwarten, dass ich ihnen sage, was ich will. Ein echter Assistent hingegen stellt Fragen, schlägt vor, denkt vorausschauend. Das ist nicht nur effizienter, sondern auch emotional angenehmer. Ich habe weniger das Gefühl, durch Menüs und Optionen navigieren zu müssen. Stattdessen kommuniziere ich wie mit einem Menschen. Und diese neue Form von Interaktion wird unsere gesamte UX-Landschaft radikal verändern.
Wer hier mithalten will, braucht neue Konzepte
Entwicklerinnen und Entwickler stehen also vor einer völlig neuen Aufgabenstellung: Nicht mehr das Design der perfekten App steht im Zentrum, sondern das Design der perfekten Interaktion. Je smarter ein Assistent wird, desto mehr läuft im Hintergrund. Sichtbare Screens, Menüs und Klicks verlieren an Bedeutung. Dafür gewinnen APIs, Automatisierungen und semantische Klarheit. Es geht nicht mehr nur darum, eine schöne Benutzeroberfläche zu zeigen, sondern darum, wie gut man mit dem Assistenten spricht – oder ihm Aufgaben delegieren kann.
Ich beobachte in der Schweizer Tech-Community aktuell viele spannende Ideen: Start-ups, die Personal Finance Bots bauen. Agenturen, die Webseiten nicht mehr für Menschen, sondern für Bots optimieren. Und KMUs, die erste interne Assistenten-Systeme aufsetzen, um Support-Prozesse zu automatisieren. Aber es braucht mehr. Es braucht dafür vor allem ein Umdenken und eine Offenheit für neue Paradigmen.
Wird ChatGPT zum neuen digitalen Desktop?
Jetzt mal ehrlich: Früher war unser Computer organisiert wie ein Büro. Es gab Ordner, Posteingänge und Desktop-Symbole. Dann kamen Apps. Heute wechseln wir ständig von einer Anwendung zur nächsten. Aber wenn ein Assistent alles steuert, dann könnte ChatGPT oder ein anderer KI-Begleiter der neue digitale Desktop werden. Ein Raum, in dem alles zusammenläuft – egal ob Termine, Dateien, Nachrichten oder kreative Ideen.
Dafür braucht es Vertrauen, Sicherheit und Transparenz. Gerade in der Schweiz setzen wir hohe Massstäbe an solche Systeme. Datenschutz ist nicht verhandelbar. Und es braucht eine klare Kontrolle durch den Nutzer. Wenn OpenAI diesen Weg mitgeht und echte Kontrolle, Lokalisierung und Datenschutz auch auf europäischem Niveau respektiert, dann könnte das richtig spannend werden. Sonst wird der KI-Assistent nur ein weiteres Datensilo in US-Hand.
Fazit: Das Web wird neu gedacht
Ob ChatGPT nun der eine Super-Assistent wird, bleibt offen. Vielleicht macht Apple das Rennen. Vielleicht kommt noch etwas ganz Neues. Was aber klar ist: Der Trend ist da. Und er ist nicht mehr umzukehren.
Wir bewegen uns weg von einem Web, das auf Klicken, Tippen und Scrollen basiert, hin zu einem Web, das auf Verstehen, Delegieren und automatischem Handeln aufgebaut ist. Das ist grossartig. Aber es verlangt uns auch einiges ab. Diese Transformation bedeutet auch loslösen von der 100 prozentige Kontrolle über meine PC Maus, meine liebgewonnene Ordnerstruktur und Ablage und schön strukturierte Excellisten. Analoge Prozesse geraten ins wanken. Sind wir bereit für mehr KI Autonomie oder werden wir sogar mehr und mehr in eine Welt bugsiert, in der wir neue Verhaltensweisen etablieren müssen? Es gibt so viele Fragen deren Beantwortung noch offen oder vage bleibt. Eins ist sicher die Reise hat bereits begonnen.