Wie künstliche Intelligenz beim Schreiben eines Buches wirklich hilft – und wann sie dir eher im Weg steht
Ein Stück Zukunft direkt auf deinem Schreibtisch
Es ist ein bisschen so, als hätte man plötzlich einen Helfer im Hintergrund, der nie schläft. Einer, der dir beim Plotten hilft, dir Schreibblockaden aus dem Weg räumt oder dir Fakten in Rekordzeit recherchiert. Genau davon spreche ich, wenn es um den Einsatz von künstlicher Intelligenz beim Schreiben eines Buches geht.
Und das ist keine Zukunftsmusik mehr, denn es passiert bereits überall. Auch hier in der Schweiz fangen immer mehr Autorinnen und Autoren an, sich bei ihren Projekten zumindest teilweise von digitalen Werkzeugen begleiten zu lassen. Ich möchte dir zeigen, wie du KI sinnvoll beim Schreiben nutzen kannst, welche Tools zuverlässig sind, worauf du achten solltest und wann menschliche Intuition einfach unersetzbar bleibt.
Womit kann KI beim Buch schreiben konkret helfen?
KI kann dir bei fast jedem Schritt in deinem Buchprojekt zur Seite stehen. Sei es beim Brainstorming, beim Entwurf von Charakteren, beim Schreiben ganzer Absätze oder bei der stilistischen Analyse deines Textes. Klar, das klingt im ersten Moment fast zu gut, um wahr zu sein. Und doch ist es real.
Ich habe selbst ein paar Experimente gemacht und etwa bei der Planung einer Fachpublikation zum Thema Blockchain mal geschaut, wie weit die KI kommt. Und was soll ich sagen: Sie brachte kreative Ansätze, auf die ich so nicht gekommen wäre. Manchmal zu technisch, manchmal zu generisch, aber oft auch überraschend gut.
Vor allem bei der Strukturierung komplexer Inhalte nutze ich Tools wie ChatGPT. Auch Jasper.ai kann dafür genutzt werden, da diese Plattform sich Datenschutz und DSGVO Konformität auf die Fahnen geschrieben hat. Sie helfen beim Entwerfen von Gliederungen oder groben Entwürfen. Das spart enorm viel Zeit und schafft einen produktiven Einstieg in die Schreibphase.
Die Gefahren im blinden Vertrauen
So überzeugend KI wirken kann, so gefährlich ist es, sich komplett auf sie zu verlassen. Denn eines ist sicher: Eine KI hat keinen Stil, keine Haltung und keinen echten Kontext.
Ich kann dir ein kurzes Beispiel geben. Ich wollte einmal einen satirischen Text schreiben, in dem ich mich über technologische Überwachung in städtischen WLAN-Zonen lustig mache. Die KI verstand den Sarkasmus nicht. Sie bot mir stattdessen eine recht nüchterne Analyse staatlicher Netzwerksicherheit.
Was amüsant beginnt, kann schnell in eine Sackgasse führen. Denn Ironie, Tonalität und Tiefgang sind Fähigkeiten, die sich eine KI zwar technisch aneignen kann, aber ohne echtes Gespür bleiben. Wenn du also tiefe Emotionen, zwischenmenschliche Konflikte oder kreative Sprachbilder brauchst, wird’s schwierig.
Gute Strategie: Dein kreativer Kompass bleibt analog
Was ich dir aus Erfahrung sagen kann: Eine gute Strategie ist, selbst der oder die Kapitänin deines Projekts zu bleiben. Nutze KI als Unterstützung, nicht als Automat für Inhalte. Besonders in der kritischen Phase des Schreibens solltest du deinen kreativen Kompass nicht aus der Hand geben.
Was sich bewährt hat: Erst plane ich das Buch ganz traditionell mit Post-its oder Mindmaps. Ich überlege mir die Hauptcharaktere, strukturiere die Kapitel grob und stecke den thematischen Rahmen ab. Dann lasse ich KI mal ein paar Varianten machen, vergleiche, streiche, feile.
Das funktioniert erstaunlich gut. Denn du bekommst zusätzliche Perspektiven, kannst Inhalte klarer strukturieren und entdeckst vielleicht sogar Aspekte, die du vorher noch gar nicht auf dem Schirm hattest. Wichtig ist nur: Du bleibst der Mensch, der Entscheidungen trifft.
Auf Konsistenz achten – Kontrolle behalten
Einer der grössten Fallstricke bei KI-generierten Texten ist die Inkonsistenz. Mal heisst deine Figur Martin, ein Kapitel später wird daraus plötzlich Markus. Oder die Sprache wechselt von locker zu formell, ohne dass du es auf Anhieb bemerkst.
Genau hier empfehle ich dir, unbedingt auf einen Style Guide zu setzen. Das kann ein einfaches Dokument sein, in dem du festhältst, wie sich deine Figuren sprechen, welche Tonalität dein Buch hat, welche Begriffe du regelmässig verwendest und welche du vermeidest.
Ich nutze ausserdem das Tool Notion, um mir zentrale Charakterinformationen, Settings und Themen kompakt festzuhalten. In dieser Content-Datenbank kannst du wunderbar nachschauen, ob die KI nicht plötzlich einen Handlungsort erfunden hat, der nie existierte. Kontrolle ist hier alles.
Lektorat und Korrektorat: Mensch schlägt Maschine
Auch wenn Tools wie Grammarly oder Quillbot nützliche Hinweise liefern, können sie ein echtes Lektorat nicht ersetzen. Ich sage bewusst „echtes“ Lektorat, denn der automatisierte Check auf Grammatik oder Syntax reicht bei weitem nicht aus, wenn du ein gutes Buch veröffentlichen willst.
Ich empfehle zum Beispiel, mit Lektorinnen zu arbeiten, die auf Schweizerdeutsch sensibilisiert sind, damit es nicht zu sprachlichen Brüchen oder seltsamen Formulierungen kommt.
Ein gutes Korrektorat ist sowieso Pflicht. Auch KI macht Fehler, besonders wenn du komplexe Sätze baust oder zwischen mehreren Stilen wechselst. Und ganz ehrlich: Kein Leser verzeiht dir einen Roman mit zu vielen Flüchtigkeitsfehlern.
Und was sind die besten Tools aktuell?
Natürlich ändert sich hier ständig etwas, aber ich kann dir ein paar Favoriten mitgeben. Für kreatives Schreiben ist zum Beispiel Sudowrite interessant. Das Tool ist speziell für Autorinnen gemacht, bietet Funktionen für Metaphern, Charakter-Vorschläge und Plots. Dann ist natürlich ChatGPT ein ständiger Begleiter bei mir, allerdings nutze ich es eher als Ideengeber oder zur Strukturierung. Wer Quellen validiert recherchieren möchte, nutzt zu aktuellen Zeitpunkt Perplexity. Für Rechtschreibung kann DeepL Write sehr hilfreich sein. HIX Writer ist ein KI-Buchautor, der beim Verfassen von Geschichten unterstützt. Auch Novelai bietet die Möglichkeit Geschichten sowie Bilder dazu zu erstellen. Jedoch nur in Englisch. Ein weiteres Tool ist Jenni.ai, dass ebenfalls auf redaktionelles Arbeiten ausgerichtet ist. Testet Tools aber lasst Euch nicht verführen, denn es ist wichtig die Kontrolle zu behalten. Tools wie Trello dabei und man kann es gut nutzen, um zum Beispiel die Buchstruktur vorzubereiten und diese parallel zu pflegen, um den Überblick zu behalten.
Jedoch empfehle ich nicht zu sehr auf externe Tools zu setzen, die einem den eigenen kreativen Prozess abnehmen. Viel spannender ist es KI so zu nutzen, dass man damit seine eigene Strategie und Stil umsetzt. So kann man KI für Recherche, zur Strukturierung oder zur Entwicklung von Charaktere nutzen. Die Kontrolle zu behalten, erachte ich als zentral. Ansonsten ist das Buch wie aus einem Automaten und wird langweilig und Fehler sind vorprogrammiert.
Tools sind nur eine Momentaufnahme. Was hier steht, kann in der nächsten Woche bereits Schnee von gestern sein. Von daher nutze ich die bestehenden Blockbuster von OpenAI, Claude, Perplexity oder Google Gemini entwickle damit meine eigene Infrastruktur.
Das grösste Pro: Zeitersparnis bei Nebenaufgaben
Wenn du nachts um eins noch nach einem besseren Namen für deine Hauptfigur suchst, kann KI dir den Schlaf retten. Oder wenn du ein Zitat brauchst, das deinen Roman eleganter eröffnet. Oft ist es nicht das Schreiben selbst, sondern diese kleinen Lückenfüller und Nebenschauplätze, bei denen KI dir richtig helfen kann.
Ich lasse mir zum Beispiel gerne fünf Titelvorschläge machen und schaue dann, welcher davon einen Impuls bei mir auslöst. Oder ich bitte die KI, eine Szene aus der Perspektive eines Nebencharakters zu schildern, der nicht viel Sendezeit kriegt, aber dem ich mehr Tiefe geben will.
Hier kann die KI glänzen. Nicht, weil sie alles besser weiss, sondern weil sie schnell und ideenreich reagiert. Und mir damit neue Türen öffnet.
Das grösste Contra: Fehlender Kontext und Ethik
Was die KI nicht kann, ist Verantwortung übernehmen. Das meine ich in zweierlei Hinsicht. Erstens übernimmt sie keine Verantwortung für Inhalte, die falsch, problematisch oder schlicht unethisch sind. Zweitens fehlen ihr die zwischenmenschlichen Feinheiten und kulturellen Kontexte. Wenn du also ein authentisches Buch schreiben willst, das wirklich regional verankert ist oder gesellschaftlich anspruchsvolle Themen behandelt, dann brauchst du deine eigene Stimme und die Expertise von Menschen, die deinen Rahmen verstehen. Zudem kann es schnell den Kontext verlieren, wenn man die KI nicht trainiert oder durch eine eigene vorgegebene Struktur und gutes Prompten kontrolliert. Aktuell nutze ich n8n, um bestimmte Aufgaben und Rahmenbedingungen über AI Agents zu steuern. Das ist derzeit noch ein Experiment, um Fehlerquellen auszuschliessen.
Fazit: KI ja, aber mit klarem Kompass
Es lässt sich nicht bestreiten: Künstliche Intelligenz verändert gerade ganz massiv, wie wir schreiben, denken und veröffentlichen. Auch in der Buchbranche. Sie kann dir helfen, Blockaden zu lösen, deine Ideen strukturierter auf Papier zu bringen und dir beim Einstieg enorm unter die Arme greifen.
Doch sie ersetzt keine originelle Stimme, kein gutes Gespür für Sprache oder die jahrelange Erfahrung und Expertise eines Autors.